Rückblick auf die Competentia-Fachveranstaltung am 8. Oktober im FOM Hochschulzentrum Köln-Ehrenfeld
Flexibel, konkret, authentisch: Diese drei Stichworte prägten den Abend. Und sie zeigen, worauf es beim Recruiting von Frauen ankommt, von der richtigen Ansprache bis zur fairen Auswahl.
Wie kommen kleine und mittlere Unternehmen an qualifizierte Frauen, und wie bleiben diese dem Betrieb langfristig erhalten? Darum ging es bei unserer jährlichen Fachveranstaltung „Smart Recruiting: Frauen gewinnen, Zukunft sichern“. Geschäftsführerinnen, Personalverantwortliche und Multiplikatorinnen bekamen Impulse aus Wissenschaft und Praxis und nahmen viele Ideen für die eigene Personalarbeit mit nach Hause. Veranstaltet wurde der Abend gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Frau & Beruf Bonn/Rhein-Sieg, der FOM Hochschule und dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) des Instituts der deutschen Wirtschaft. Franziska Hilfenhaus (Kooperative W) führte durch das Programm.
Keynote: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Prof. Dr. Anja Seng (FOM Hochschule) startete mit „Female Recruiting in KMU“ und machte direkt deutlich, wie ungleich Erwerbsarbeit verteilt ist. Rund die Hälfte der Frauen arbeitet in Teilzeit, bei den Männern sind es nur 12 Prozent. Auch beim Thema Führung bewegt sich wenig: Der Frauenanteil in Führungspositionen ist seit 2014 gerade einmal um 0,1 Prozent gestiegen. Strukturelle Barrieren sind weiterhin hartnäckig.
Doch wo können Unternehmen ansetzen? Ein wichtiger Hebel liegt schon bei der Personalgewinnung: Nur jede sechste Stellenanzeige in Deutschland enthält einen Hinweis auf Familienfreundlichkeit. Stellenanzeigen sollten wir daher neu denken. Dazu braucht es eine Arbeitgebermarke, die authentisch, relevant und differenziert ist.
Stellenanzeigen, die bei Frauen ankommen
Wie das konkret gelingt, zeigte Dr. Lydia Malin (KOFA), die unsere gemeinsame Publikation „Frauen gezielt rekrutieren – so gelingt die Stellenanzeige“ vorstellte. Ihre Kernbotschaft: Frauen stehen dem Arbeitsmarkt vor allem dann zur Verfügung, wenn Teilzeit möglich ist. Wer auf einer Vollzeitstelle beharrt, schließt viele von ihnen von vornherein aus. Die Lösung heißt also Flexibilisierung.
Dazu kommt: Gerade Frauen mit Migrationserfahrung arbeiten oft unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, und dieses Potenzial bleibt häufig ungenutzt. Ihr Tipp an die Unternehmen: Vereinbarkeit nicht mit Floskeln abhaken, sondern konkret beschreiben, authentisch und passend zur jeweiligen Zielgruppe. Gerade bei Stellenanzeigen kommt es auf die Wortwahl an.
Workshop Employer Branding: Von guten Beispielen lernen
Eine gute Stellenanzeige allein reicht jedoch nicht, sie braucht eine Marke, die dahintersteht. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte Susanne Peters (Einstieg GmbH) im Employer-Branding-Workshop mit Good-Practice-Beispielen, darunter Christian Schlösser (Weber Unternehmensgruppe GmbH & Co. KG), Pixum – der Online-Fotoservice aus Köln, und die Gebrüder Peters Gebäudetechnik.
Pixum zeigt in Kurzvideos, wie es bei ihnen aussieht und was abseits des Jobs los ist: von den Büroräumen bis zu gemeinsamen Events. Das wirkt echt und macht greifbar, wie es ist, dort zu arbeiten und wofür das Unternehmen steht. Gebrüder Peters sammelt Statements von Mitarbeitenden und nutzt sie in der Außendarstellung. So bekommen Interessierte echte Stimmen aus dem Unternehmen zu hören und ein realistisches Bild vom Arbeitsalltag. Gepunktet wird außerdem mit familiären Benefits. Eine Rolle spielen auch Female Role Models: Frauen im Unternehmen, die sichtbar sind und anderen Orientierung geben. Der gemeinsame Nenner aller Beispiele: echte Einblicke statt Hochglanz-Floskeln.
Workshop KI und Personalauswahl: Chance mit Risiko
Und wenn die passenden Bewerberinnen erreicht sind? Dann kommt die Auswahl, und damit zunehmend auch KI. Die KI- und HR-Expertin Daniela Kreklow beschäftigte sich mit der Frage, wie KI in der Personalauswahl eingesetzt werden kann, ohne Vorurteile zu verstärken. Entscheidend ist dabei, womit eine KI trainiert wurde und welche Biases sie dadurch entwickelt. Unternehmen brauchen für den Einsatz von KI ganz klare Leitlinien. Als positives Beispiel für die gezielte Nutzung von KI zeigte Alina Langenberg, Personalleiterin (kb Kunststofftechnik, Gummersbach), wie diese beim Erstellen strukturierter Interviews helfen kann und wie sich so der beste Fit zwischen Person und Stelle ermitteln lässt.
Zum Schluss: Poetic Recording
Zum Abschluss ließ Dominique Macri den Abend mit Poetic Recording Revue passieren und fing die Impulse des Tages auf kreative Weise poetisch ein. Beim anschließenden Get-together mit Imbiss wurden die Gespräche fortgesetzt und neue Kontakte geknüpft.
Fazit
Wer Frauen gewinnen und halten will, braucht flexible Arbeitsmodelle und konkrete Aussagen zur Vereinbarkeit. Stellenanzeigen sollten genau diese Punkte klar benennen, und die Arbeitgebermarke muss authentisch sein. Bei der Auswahl gilt: Auch wenn KI unterstützen kann, braucht es einen bewussten, reflektierten Umgang und klare Leitlinien.
Neben den fachlichen Impulsen hat uns vor allem der Austausch begeistert: Beim Get-together blieb viel Raum für spannende Gespräche, neue Kontakte und frische Ideen. Wir freuen uns schon jetzt darauf, die Themen gemeinsam weiterzudenken, und danken allen Mitwirkenden und Gästen für einen rundum gelungenen Abend!
Fotos: Monika Nonnenmacher











